Wiesenvogelschutzprojekt im Landkreis ROW

Gelegeschutz und Lebensraumoptimierung für Brachvogel, Kiebitz und Co.

Großer Brachvogel im feuchten Grün
Großer Brachvogel im feuchten Grün

 

Der Landkreis Rotenburg (Wümme) ist auf Grund seiner weiten Niederungs- und Moorlandschaft ein bedeutendes Brutgebiet für Wiesenvögel, wie Kiebitz und Großer Brachvogel. Doch Entwässerung und Umbruch von Feuchtwiesen und Trockenlegung gefolgt von Abbau der Moore und Verwaldung von Heiden haben die Landschaft so verändert, dass den Vögeln immer weniger Rückzugsgebiete erhalten bleiben. Zudem kommt der erhöhte Druck durch Nesträuber wie Wildschwein, Marder und Fuchs.

Seit den 1950er Jahren gehen die Bestände vom Kiebitz und Großen Brachvogel zurück. Auf Grund des Rückgangs hat der NABU 2011 ein Projekt zum Schutz des Großen Brachvogels ins Leben gerufen, dass seit 2013 von der Stiftung Naturschutz Rotenburg (Wümme) finanziell unterstützt wird. In der Roten Liste Niedersachsen wird er als „stark gefährdet“ eingestuft.

Die NABU Umweltpyramide sucht seit 2011 mit Hilfe der Jägerschaften und ehrenamtlicher Helfer vorhandene Brut- und Aufzuchtplätze des Großen Brachvogels auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Landkreis. Aufgrund der sehr großen Brutplatztreue brüten die Vögel in dieser Gegend inzwischen aufgrund von Nutzungsänderungen (wie z. B. Grünlandumbrüche) häufig auf Ackerland oder Intensivgrünland, wo sie Gefahren durch Nesträuber sowie durch landwirtschaftliche Aktivitäten ausgesetzt sind. Werden die Nester gefunden, erfolgen deshalb Gelegeschutzmaßnahmen nach Absprache mit den Bewirtschaftern in Form einer Einzäunung der Brutplätze mit einem 50 Meter langen, unter Strom gesetzten Schafszaun, der an einem diebstahlgesicherten Weidezaungerät angeschlossen ist. Direkt nach dem Schlupf der Küken wird der Zaun wieder abgebaut, da die Küken als Nestflüchter dichten Bewuchs auf Randflächen oder die bewusst stehengelassenen Schutzstreifen aufsuchen, wo sie von den Altvögeln weiter versorgt werden. Die bei der Brachvogelsuche gefunden Kiebitzgelege werden mit Stöckern markiert und die bewirtschaftenden Landwirte werden informiert. Die Landwirte bekommen für ihre Bemühungen Ausgleichszahlungen.

Der NABU hat in den vergangenen Jahren in ehrenamtlicher Arbeit über 100 Brachvogelreviere im gesamten Landkreis ausfindig machen können.

Das Projekt hat beispielhaft gezeigt, dass ein Zusammenwirken von Naturschützern, Jägern und Landwirten sehr zielführend möglich ist und das in einer Zeit, in der die Konflikte zwischen Naturschutz und Landnutzern eher zu- als abnehmen. Mit dem Wiesenvogelschutzprojekt konnten durch die gemeinsamen Ziele wieder Brücken gebaut werden, die Anknüpfungspunkte für zukünftige Dialoge bilden. Möglicherweise könnten die Schutzbemühungen durch ein systematisches und auf den Erfolg der Bodenbrüter ausgerichtetes Prädationsmanagement noch gesteigert werden. Der damit verbundene hohe Aufwand wäre in den kleineren (ausgewählten) Zielgebieten eher leistbar und effizient einsetzbar.

Wenn Sie Interesse an weiteren Informationen zum Wiesenvogelschutz haben oder aktiv mitmachen wollen, dann melden Sie sich bitte in der NABU Umweltpyramide bei Simone Kasnitz telefonisch unter 04761-71352 oder per Mail s.Kasnitz@NABU-Umweltpyramide.de.