Kleine Ersthelfer*innen unterstützen die Insektenwelt

In der Kita Geestenseth entstand eine einzigartige Nisthilfe. Foto: Stefan Wiederholz
In der Kita Geestenseth entstand eine einzigartige Nisthilfe. Foto: Stefan Wiederholz

Um Wildbienen zu unterstützen und ihnen Brutraum anzubieten, bedarf es kleiner, sonnig ausgerichteter und regengeschützter längliche Hohlräume. Gute Wildbienennisthilfen weisen deshalb in erster Linie Harthölzer mit unterschiedlich großen Bohrlöchern auf sowie gebündelte hohle Pflanzenstängel. Auf dem Gelände der Kita Geestenseth ist auf dieser Grundlage eine ganz besondere Nisthilfe entstanden.

 

Die Kinder beschäftigen sich schon einige Zeit mit der Insektenwelt, denn die Kita Geestenseth ist eine von zehn Einrichtungen, die an dem NABU-Projekt „Ersthelfer*in für die Vielfalt“, gefördert von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, teilnehmen. Nachdem die Fachkräfte während einer Schulung in der NABU Umweltpyramide erfahren haben, wie Wildbienen gefördert werden können, kam Stefan Wiederholz die zündende Idee. „Warum erst umständlich eine Konstruktion bauen, um diese mit Holz zu füllen, wenn sich doch ein alter Baumstumpf auf dem Gelände der Kita befindet“, überlegte er sich.

 

Daraufhin bohrte er in diesen Baumstumpf zahlreiche waagerechte Löcher, die nun von Wildbienen zur Eiablage genutzt werden können. Zusätzlich wurde die Umgebung von den Kindern so gestaltet, dass auch andere Insekten sowie Spinnen, Kellerasseln und weitere Krabbeltiere Unterschlupf und Nahrung finden. Dazu nutzten sie Totholz, Zapfen und Steine, außerdem wurden Wildblumen ausgesät. Die neu entstandene “Wilde Ecke“ wurde von den Tierchen sogleich gut angenommen. „Es stehen immer wieder Kinder vor diesem Bereich, die staunend und interessiert alle kleinen Insekten beobachten und uns von Neuigkeiten berichten“, erzählt Renate Blanck, Leiterin der Kita Geestenseth. „Es ist erstaunlich, wie fürsorglich und bemüht die Kinder um das Wohlergehen der Insekten binnen kurzer Zeit geworden sind.“

 

„Unser Projekt kommt mit seinen Anregungen dem Wunsch der Fachkräfte, mit den Kindern möglichst viel in der Natur zu sein, sehr entgegen“, berichtet Bettina Schroeder von der NABU Umweltpyramide. Sie steht in einem engen Austausch mit den teilnehmenden Kitas und fasst deren Ideen und Umsetzungen in einer Broschüre zusammen, die im Anschluss an das Projekt allen interessierten Kitas zur Verfügung stehen wird.

 


Krabbeltierfreunde trotzen Corona

Keine Scheu vor Krabbeltieren. Foto: Kita Abenteuerland
Keine Scheu vor Krabbeltieren. Foto: Kita Abenteuerland

Im Kindergarten „Abenteuerland“ beschäftigen sich die Kinder zurzeit intensiv mit der Welt der Krabbeltiere. Unterstützung bekommen sie dabei von der NABU Umweltpyramide und deren Projekt „Ersthelfer*in für die Vielfalt“. Im Rahmen des von der Niedersächsischen Bingo Umweltstiftung geförderten Projektes wurde dem Fachpersonal eine große Kiste voller Umweltbildungsmaterialien zur Verfügung gestellt.

 

Im Morgenkreis wurde gemeinsam überlegt, welchen Tieren die Kinder bei sonnigem Wetter schon begegnet sind. „Wir haben über Tiere gesprochen, die die Kinder in ihrem Garten gesehen haben“, berichten die Erzieherinnen der Kita „Abenteuerland“. „Neben Eichhörnchen waren es vor allem Schmetterlinge und andere Insekten sowie Spinnen.“ Mit Knete und Fantasie wurden diese Tiere nachgebildet. Dabei kam natürlich auch die Anzahl der Beine zur Sprache und so wurde ganz nebenbei vermittelt, dass Insekten 6 und Spinnen 8 Beine haben.

 

Weiter ging es im Außengelände. Baumstämme und Äste wurden umgedreht, dort suchten und fanden die Kleinen alle möglichen Krabbeltiere. Nun hatten sie eine Vorstellung davon, wie der Lebensraum für diese Tierchen aussehen sollte und sie bildeten ihn für ihre Knettiere aus Naturmaterialien nach.

 

„Spielerisch und erlebnisorientiert Zusammenhänge in der Natur begreifen, so sollte Umweltbildung gestaltet werden“, erklärt Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Mitarbeiterin beim NABU. „Mit Tusche wurde ein schöner Hintergrund für die Knettiere gestaltet, dabei lernten die Kinder auch etwas über Tarn- und Signalfarben – ich freue mich, dass unser Projekt so toll umgesetzt wird.“ Bettina Schroeder ist für den pädagogischen Teil des Projektes verantwortlich und steht im engen Austausch mit den Erzieherinnen.

 

Auch mit den nicht ganz so beliebten Spinnen wurde sich kindgerecht und sensibel beschäftigt, so dass die Scheu verloren ging. Nachdem mit Unterstützung einer Handpuppe die erste Hürde genommen wurde, schauten sich alle eine eingefangene Spinne durch ein Lupenglas ganz genau an und lassen sie anschließend sogar frei krabbeln. Selbstverständlich wurde sie danach wieder in die Natur entlassen. Nun konnten aus vielerlei Bastelmaterial Spinnennetze und Spinnen nachgebildet werden.


Krabbeltierfreunde in der Kita Bramel

Knettiere und bunte Spinnen wecken Sympathie für Krabbeltiere. Foto: Lisa Bechtloff
Knettiere und bunte Spinnen wecken Sympathie für Krabbeltiere. Foto: Lisa Bechtloff

Im Kindergarten Bramel hat Erzieherin Lisa Bechtloff mit dem Buch „Licht an! In den Nestern der Insekten“ das Interesse der Kinder für die kleinen Tiere geweckt. Dann war die Fantasie der Kinder gefragt, sie durften aus Knete ihre eigenen kleinen Insekten herstellen. Wie sehen denn nun ein Käfer oder eine Ameise tatsächlich aus? Jeder hat schon oft Krabbeltierchen gesehen, doch wer hat schon mal ganz genau hingeschaut? „Ich war begeistert, wie klar die Kinder ihr Insekt vor Augen hatten und anhand ihrer Fantasie die Merkmale ihres Tieres erklären konnten“, berichtet Erzieherin Lisa Bechtloff von dem gelungenen Einstieg in das Projekt. Dass eine Spinne aufgrund ihrer acht statt sechs Beine nicht zu den Insekten gezählt wird, wurde den Kindern ganz nebenbei vermittelt. Und auch sonst wurde viel über den Körperaufbau der Tierchen gesprochen, ohne die Fantasie dabei einzuschränken.

 

„Spielerisch und mit Neugier die Welt entdecken und dabei die Zusammenhänge in der Natur begreifen, genauso stellen wir uns die Umsetzung unseres Projektes vor“, freut sich Bettina Schroeder über die ersten kleinen „Krabbeltierfreunde“. Auch die Eltern wurden mit einbezogen, sie konnten eine Woche lang die Tierchen im Kindergarten bestaunen. „Auch wenn die Knettiere nicht immer eindeutig zu erkennen waren, so konnten die Kleinen ihren Eltern ganz genau erklären, was ihr Knettier zu einem Marienkäfer oder zu einer Libelle macht“, berichtet Lisa Bechtloff von dem Erfolg der Aktion.

 

Um die Kenntnisse über die Welt der Krabbeltiere zu festigen, wurden anschließend von den Kindern Spinnen und Ameisen aus Pfeifenputzern hergestellt. Auch bei diesen bunten Eigenkreationen der Kinder wurde mit viel Spaß und Fantasie ein besonderes Augenmerk auf die tierspezifischen Merkmale gelegt. „Und so ganz nebenbei wurde auch die Feinmotorik gefördert“, freut sich Lisa Bechtloff über die Kombination der Umweltbildung mit der Förderung der motorischen Entwicklung der Kleinsten.

 


Übergabe der Materialkisten

Übergabe der Lehrmaterialien in der Kita Oerel. Foto: Nena Scholz
Übergabe der Lehrmaterialien in der Kita Oerel. Foto: Nena Scholz

Für das Modul „Krabbeltierfreund“ wurde eine Materialkiste konzipiert, die sowohl umfangreiches Informationsmaterial für das Fachpersonal als auch das komplette Lehrmaterial für die Umsetzung des Moduls beinhaltet. Um das Projekt abzurunden und die fehlende erlebnisorientierte Umweltpädagogik verstärkt in die Kindergärten zu bringen, wurden ergänzend modulübergreifende Aktionen entwickelt, für die zum überwiegenden Teil auf die Materialien für das Modul „Krabbeltierfreund“ zurückgegriffen werden kann.

 

Eine detaillierte Anleitung für die Materialkiste, ergänzt um die gewünschten Tipps für Aktionen rund um die ökologische Aufwertung eines Kindergarten-Gartens, führt so detailliert in die Materie ein, dass auch das Fachpersonal, das nicht an der Fortbildung teilgenommen hat, die Materialien nutzen können wird.

 

Die Materialkisten wurden in die Kindergärten gebracht, verbunden mit einer Kurzschulung für das erweiterte Fachpersonal. Die Resonanz ist durchweg positiv und die Teilnehmenden hochmotiviert.