Wildbienen-Detektive -

Forschendes Lernen an Nisthilfen

Bild 1 - 4: RS Bremervörde; 5: GS Beverstedt. Foto 1, 4: Bettina Paquet; 2, 3: Ulrike Diez; 5: GS Beverstedt


„Selbstgewonnene Erkenntnisse werden als wertvoller und anwendbarer empfunden, sie motivieren zu weiterem Lernen und schaffen eine tiefere emotionale Verbindung zu dem Thema - insgesamt wichtige Voraussetzungen, um sich auch künftig auf richtige Art und Weise im Naturschutz zu engagieren.“


Mit dem Projekt „Wildbienen-Detektive – forschendes Lernen an Nisthilfen“ möchte die NABU Umweltpyramide zusammen mit drei Schulen Nisthilfen für Wildbienen erproben, an denen Schülerinnen und Schüler eigenständig die Bedürfnisse dieser Insekten erforschen können. Es werden einsehbare Bienenbrettchen verwendet, in denen die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt beobachtet werden kann – den Kindern und Jugendlichen eröffnet sich der Blick auf etwas, was sonst im Verborgenen stattfindet. Auch andere Insekten, wie Solitärwespen, werden die Nisthilfe nutzen. Sie können alle gefahrlos betrachtet werden, denn im Gegensatz zu staatenbildenden Bienen und Wespen verteidigen Insekten, die ihre Eier in solch eine Nisthilfe ablegen, ihre Brut nicht.

Indem die Schülerinnen und Schüler die Entwicklung der Larven beobachten und dokumentieren, können sie den Nutzen von Nisthilfen erleben und für sich reflektieren, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Besiedlung benötigt werden. Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide, erklärt: „Folgt man der ursprünglichen Idee, sollen mit einem Insektenhotel, oder besser ausgedrückt einer Wildbienen-Nisthilfe, solitär lebenden Wildbienen in unserer aufgeräumten Natur Möglichkeiten zur Eiablage angeboten werden.“ Jedoch werden bei der überwiegenden Zahl von selbstgebauten oder zum Kauf angebotenen Nisthilfen eher Materialien wie Holzwolle für Ohrwürmer oder auch einfach nur Ansammlungen von unterschiedlichen Naturmaterialien zusammengestellt und in Fächer gepackt. Leider ist Wildbienen damit gar nicht geholfen.

 „Wildbienen benötigen eine Vielzahl an länglichen Hohlräumen, mit einem Durchmesser von 3 bis 9 mm“, berichtet die Biologin. „Hat ein Weibchen eine geeignete Röhre entdeckt, fertigt es ein Liniennest an, d. h., es deponiert gesammelten Pollen, legt ein Ei und bringt eine Zwischenwand an. Dies wiederholt sich, so dass mehrere Brutkammern hintereinander entstehen.“ Doch sie möchte nicht belehrend auftreten, sondern Kindern und Jugendlichen die Chance bieten, selbst Ideen zu entwickeln, wie sinnvolle Nisthilfen aussehen können. Denn sie ist überzeugt: „Selbstgewonnene Erkenntnisse werden als wertvoller und anwendbarer empfunden, sie motivieren zu weiterem Lernen und schaffen eine tiefere emotionale Verbindung zu dem Thema - insgesamt wichtige Voraussetzungen, um sich auch künftig auf richtige Art und Weise im Naturschutz zu engagieren.“

 

„Mit der EWE-Stiftung haben wir einen Förderer für unsere Projekt-Idee gefunden, so dass wir drei Schulen die Forscher-Nisthilfen kostenlos zur Verfügung stellen können“, freut sich Bettina Schroeder. Und noch etwas musste berücksichtigt werden - heimische Blühpflanzen als Nahrungsangebot für die Wildbienen – je vielfältiger, desto besser. Hierfür wendete sich Bettina Schroeder an den NABU Bremervörde-Zeven, der die Schulen und das Projekt sehr gerne mit Regio-Saat für Blütenpflanzen unterstützt.

 

Die Findorff-Realschule in Bremervörde hat nun die erste von drei Nisthilfen erhalten. Dort findet regelmäßig eine Garten- und Nachhaltigkeits-AG statt, in deren Rahmen auch ein Bereich des Schulhofs gestaltet werden darf. Maren Jebram als Leitung und die Kinder nahmen die Forscher-Nisthilfe in Empfang. „Dieses Jahr sind Kinder aus den 5. – 7. Klassen in der AG“, berichtet Maren Jebram. „Sie freuen sich riesig, dass sie sich mit diesem Projekt auch für den Schutz der Wildbienen einsetzen können.“ Gemeinsam wurde ein guter, sonniger Platz ausgesucht, wo sie die Nisthilfe demnächst aufstellen und neue Blumenbeete anlegen werden – rechtzeitig, bevor sich die ersten Wildbienen auf die Suche nach Nistplätzen und Nahrung machen.

Das Projekt wird gefördert durch