Fotos: Kita Kinderburg
In den letzten Jahren haben mehrere Kitas für ihr Engagement im Bereich der Umweltbildung das Zertifikat „Ersthelferin und Ersthelfer für die Vielfalt“ von der NABU Umweltpyramide überreicht bekommen. Mit dem Zertifikat wird darauf hingewiesen, dass in der Einrichtung regelmäßig erlebnisreiche Aktionen in der Natur für die Kinder angeboten werden. Dazu wurde den Kitas vom NABU ein Leitfaden überreicht, auf dessen Grundlage hin der Forscherdrang der Kinder geweckt und die Begeisterung für die Natur gefördert werden kann. Die Einrichtungen bleiben in Kontakt mit der NABU Umweltpyramide und erneuern jährlich ihre Zertifizierung.
Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide, war in der zertifizierten Kita „Kinderburg“ in Brockel zu Besuch. Alina Tewes und Thomas Schmolke zeigten ihr zwei selbstgebaute Wildbienen-Nisthilfen, die vor dem Gelände der Kita stehen. „Die Nisthilfen sind vorbildlich, alle Kriterien für eine erfolgreiche Besiedlung durch Wildbienen sind erfüllt“, berichtet Bettina Schroeder begeistert. Diese Kompetenz ist auch der Gemeinde als Träger der Kita aufgefallen, erzählen die beiden Fachkräfte: „Wir wurden gefragt, ob wir die Wildbienen-Nisthilfen, die auf öffentlichen Plätzen aufgestellt sind, gemeinsam mit den Kindern überarbeiten möchten!“
„Die Kinder könnten auch Info-Tafeln gestalten, um mit ihrem speziellen Wissen weitere Naturbegeisterte zu erreichen“, weitet Bettina Schroeder die Idee aus und ist begeistert von dem Erfolg des Projektes. Aber damit noch nicht genug: Auch mit dem Thema, dass nur ungefüllte Blüten den Wildbienen Nektar bieten, haben sich die Kinder beschäftigt. Bei gefüllten Blüten, die immer gezüchtet sind, wurden die Elemente, die für Nektar und Pollen zuständig sind, umgewandelt in Blütenblätter. Die Kinder haben Blüten gebastelt und können diese nun als Untersetzer für mit Saft gefüllte Gläser nutzen – aber nur, weil in der Mitte noch Platz gelassen wurde! „Dies zeigt euch, dass eine völlig mit Blütenblättern gefüllte Blüte keinen Nutzen für Insekten hat“, wurde den Kindern erklärt und daraufhin ein Beet mit heimischen Blumen angelegt. Außerdem steht in der Kita eine Fotowand für die Eltern, um auch hier das Wissen weiterzugeben – vielleicht entstehen dadurch ja auch neue Beete in den Gärten zu Hause.
Die Kinder können zusammen mit Alina Tewes und Thomas Schmolke zu Recht stolz sein und freuen sich, eine weitere Urkunde und eine neue Jahresplakette für ihr Schild von der NABU Umweltpyramide überreicht zu bekommen. Da sich alle Beteiligten sicher sind, dass die Kita genauso engagiert weitermachen wird, wurde die Zertifizierung diesmal sogar gleich für 2 weitere Jahre verliehen.
© 1: Bettina Schroeder; 2,3: Ulrike Diez
Auf Grundlage von Mikroskopier-AGs hat die NABU Umweltpyramide in einem von der Niedersächsischen Bingo Umweltstiftung (NBU) geförderten Projekt Angebote für Grundschulen entwickelt, um Kindern auch an ihrer Schule inspirierende Momente mit der Natur zu ermöglichen. In mehreren Veranstaltungen wurden 10 Lehrkräfte von 6 Grundschulen darin fortgebildet und gestärkt, durch selbstbestimmtes, entdeckendes Lernen die Neugier und den Forschergeist der Kinder nachhaltig anzuregen. Auch konnten den Schulen jeweils 13 hochwertige Stereo-Mikroskope, passende Literatur sowie Becherlupen, Pinzetten und viele andere Materialien als Forscherausrüstung für die AGs übergeben werden. Im Laufe des folgenden Schuljahres stehen darüber hinaus Fördergelder der NBU sowie fachliche Unterstützung durch den NABU zur Verfügung, um den Kindern die Umsetzung von Ideen zur Förderung der Natur auf ihren Schulhöfen zu ermöglichen.
Die Projektidee „Von klitzeklein zu riesengroß“ wurde von Bettina Schroeder als pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide entwickelt, um Grundschulen im Ganztag die Einführung von Natur-AGs zu ermöglichen. „Natürlich kam in uns als Umweltbildungszentrum auch der Wunsch auf, die Grundschulen bei der Umsetzung des Ganztags zu unterstützen“, erzählt die Biologin. „Mit einer NABU-AG, die wir an einer Schule gestalten, würden wir nur einige Kinder erreichen - mit meinem Projekt werden dagegen in sechs Grundschulen Natur-AGs entstehen und die Lehrkräfte können ihre Erfahrungen und sämtliche Materialien mit in den restlichen Unterricht und ins Kollegium einbringen.“ Mit diesen Chancen und der Unterstützung zur Schulhofumgestaltung wirkt das Projekt jeweils in die gesamte Schule hinein, jedes Kind und auch die Natur können davon profitieren.
Nachdem die Lehrkräfte sich in einer Fortbildung mit den Mikroskopen und den damit verbundenen Möglichkeiten beschäftigt haben, trafen sie sich wieder zu den Themen „Umweltpädagogik und Naturschutz“. Staunen, wie viele Grüntöne es in der Natur zu entdecken gibt - einen Baum ganz genau ertasten – den Blick als „Fotoapparat“ auf kleinste Schönheiten gelenkt bekommen – ein Blatt als „Eintrittskarte“ mit einer ganz besonderen Form suchen – mit viel Spaß haben die Teilnehmenden die Anregungen von Bettina Schroeder selbst ausprobiert. Anschließend entstand eine Ideensammlung, welche Naturelemente sich auf einem Schulhof verwirklichen lassen.
„Kollegiale Unterstützung und ein regelmäßiger Austausch sind natürlich auch vorgesehen, so dass aus den Erfahrungen aus dem Projekt heraus eine Broschüre entstehen wird, die dann allen interessierten Schulen zur Verfügung gestellt werden kann“, berichtet Bettina Schroeder und freut sich über eine Ausweitung ihrer Idee zu Mikroskopier-AGs in noch möglichst viele weitere Schulen.
Eine der Hauptaufgaben der NABU Umweltpyramide liegt in der Umweltbildung für Kinder. Zahlreiche Schulklassen und auch Kindergartengruppen kommen zu Besuch und erleben eine abwechslungsreiche Zeit in dem naturnahen Außengelände. Bunte Wiesenflächen, ein großer Teich, ein Bachlauf und Elemente wie ein Barfußpfad und ein „Riesenspinnennetz“ werden gemeinsam erobert. Spielerisch und erlebnisreich verbringen die Kinder Zeit in der Natur. Um weitere Naturinteressierte darin zu stärken, mit Kindern die Natur gemeinsam zu entdecken, zu erleben und zu verstehen, bietet die NABU Umweltpyramide am Samstag, den 06. Juni von 14 – 17 Uhr eine Fortbildung für Fachkräfte aus Grundschulen und Kitas an. Die Kosten betragen 50,- € einschließlich Kaffee und Kuchen. Anmeldungen nimmt Bettina Schroeder als pädagogische Leitung an unter [email protected] oder Telefon 04761-71352.
Insbesondere Angebote wie Natur-AGs für den neuen Ganztag in Grundschulen möchte die NABU Umweltpyramide mit dieser Fortbildung voranbringen. „Raus in die Natur – und dann? Mit dem Wunsch rauszugehen, stellt sich oftmals die Frage, wie gestalte ich diese wertvolle Zeit mit meiner Schulklasse?“ ist sich Bettina Schroeder bewusst. Um hier weiterzuhelfen, lernen die Teilnehmenden verschiedene, einfache Aktionen und Spiele kennen, mit denen sie auf dem Schulhof oder einem angrenzendem Naturstück die Zeit mit ihrer Gruppe interessant und vielseitig gestalten können. Dazu muss man nicht Biologie studiert haben - die Erwachsenen können gemeinsam mit den Kindern als Naturdetektive unterwegs sein.
„Die Kinder werden wesentlich mehr Zeit in ihrer Schule verbringen als bisher, gleichzeitig geht Zeit für freies Spiel in der Natur verloren“, erzählt Biologin Bettina Schroeder. „Damit Kinder ein Umwelt- und Naturbewusstsein entwickeln können, sind jedoch nicht nur Kenntnisse über Tiere und Pflanzen, also Unterricht, entscheidend.“ Erst Aktivitäten, die begeistern, überraschen und die Natur unmittelbar erfahren lassen, wecken das weitergehende Interesse an großen und kleinen Geheimnissen und stärken die Empathie für die Natur. „Es gibt eine Regel, wenn ich mit den Kindern auf Entdeckungsreise gehe: das Wörtchen iiih ist nicht erlaubt – nur staunendes oooh und aaah“, sagt sie lächelnd.
„Ein weiteres Problem ist die oftmals fehlende Natur auf den Schulhöfen“, berichtet Bettina Schroeder weiter. Daher möchte sie auch Möglichkeiten aufzeigen, zusammen mit den Kindern in kleinen Schritten den Schulhof weiterzuentwickeln. Sie hofft, damit möglichst viele Teilnehmende zu ermutigen und zu inspirieren, eine Natur-AG in der Ganztagschule anzubieten, die Natur auf den Schulhöfen zu fördern und Kindern Momente zu ermöglichen, die sie für ihr weiteres Leben im Sinne eines behutsamen Umgangs mit ihrer Umwelt prägen können. Abschließend ergänzt sie: „Es kommen auch viele Anfragen von Kitas, ob man dort beim Entdecken der Natur Unterstützung erhalten kann. Auch diesem Wunsch wird mit dem Angebot der Fortbildung gerne entsprochen, es sind demnach auch Fachkräfte aus Kitas herzlich willkommen."
Bild 1: Die Kita Oerel hat sich über das richtige Füllmaterial beraten lassen. Foto: Anke Noetzel
Bild 2: Die GS Beverstedt forscht an Wildbienen-Nisthilfen. Foto: GS Beverstedt
Bremervörde – Viele Naturfreunde möchten mit einem Insektenhotel ihren Beitrag zum Naturschutz leisten. Was gut gemeint ist, führt aber leider oftmals nicht zu dem gewünschten Erfolg. Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide, möchte diese Entwicklung wieder in die richtige Richtung lenken. Sie erklärt: „In Deutschland gibt es um die 600 Arten an Wildbienen. Neben den geeigneten Nahrungspflanzen fehlen ihnen in unserer aufgeräumten Natur geeignete Nistplätze. Hier setzt die Idee der Wildbienen-Nisthilfen an. Richtig gestaltet und an einem guten Standort platziert, können sie einen wichtigen Beitrag zur Förderung von einigen Wildbienenarten und auch von Solitärwespen leisten.“ Dabei liegt die Betonung auf „richtig gestaltet“ und „einige Arten“ – denn ein Großteil der Wildbienen legt seine Brutkammern im Boden und nicht oberirdisch an.
Trotzdem könnten viele
Wildbienenarten mit Nisthilfen gefördert werden – wenn diese richtig gestaltet sind. Jedoch wird oft
die ursprüngliche Idee, Wildbienen längliche Hohlräume zum Nisten anzubieten, gar nicht umgesetzt, sondern pauschal verändert zu „Wir machen was für Insekten.“ Dann werden unterschiedliche
Naturmaterialien wie Rinde, Heu und Zapfen zusammengestellt und in Fächer gepackt. Solche Sammelstellen bieten jedoch keinem Tier einen wirklichen Mehrwert. Besonders tragisch findet Bettina
Schroeder: „In den Augen der handelnden Personen sind solche „Insektenhotels“ deren persönlicher Beitrag zum Naturschutz! Es sind oftmals mit viel Mühe hergestellte Bauwerke, bei denen auch
Kinder mitgeholfen haben.“ Denn an vielen Schulen und in Kitas stehen ebenfalls solche gutgemeinten, aber nutzlosen Nisthilfen. Werden sie dann nicht besiedelt, kann es bei Kindern und
Erwachsenen zur Enttäuschung führen und sogar das Konzept „Naturschutz vor der eigenen Haustür“ und die eigene Handlungsfähigkeit in Frage gestellt werden. Selbstwirksamkeit positiv zu erfahren,
ist jedoch ein wichtiger Schritt hin zum bewussten Umgang mit der Natur. Interessierte Einrichtungen, wie im
Bild die Kita Oerel, werden gerne bei der Wahl des richtigen Füllmaterials beraten.
Bettina Schroeder
spricht konsequent von „Wildbienen-Nisthilfen“ – denn es sollte nur um diesen einen Zweck gehen: „Eine durchdachte Wildbienen-Nisthilfe bietet viele, unterschiedlich große längliche Hohlräume –
in Hartholz, in Pflanzenstängeln oder auch in extra dafür angefertigten Pappröhrchen und Tonziegeln. In Löcher mit 3 bis 9 mm Durchmesser und 10facher Länge können verschiedene Wildbienen ihre
Eier ablegen. Dann unterstützt die Nisthilfe die Bestäuber und auch deren Parasitoide wie Solitärwespen.“
Diese Insekten sind harmlos und können gut beobachtet werden – somit sind gute Wildbienen-Nisthilfen auch von großer Bedeutung für die Umweltbildung. Um dies zu fördern, hat die NABU
Umweltpyramide Schulen mit Forscher-Nisthilfen ausgestattet. „Mit Fördergeldern der EWE-Stiftung haben wir für
drei Schulen Nisthilfen mit einsehbare Nistbrettchen gebaut, in denen die Kinder die Entwicklung der Larven beobachten können“, erklärt Bettina Schroeder. Vor Regen schützt ein entsprechend
großes Dach. Damit es keinen Schatten wirft, wurde Plexiglas verwendet. Der Standort wurde zusammen mit den Kindern ausgesucht: sonnig und mit Platz für Blumen in der Nähe! „Ganz wichtig ist
auch, sich bewusst zu machen, dass eine Wildbienen-Nisthilfe allein nicht ausreicht, um in unseren aufgeräumten Gärten und oftmals naturfernen Schulhöfen etwas positives für die Natur zu tun.
Ohne ein ausreichendes Nahrungsangebot – also geeignete blühende Pflanzen in der Umgebung – nützt auch die beste Nisthilfe nichts,“ betont die Biologin. Die Schulen haben daher, gespendet vom
NABU Bremervörde-Zeven, eine bunte Blühmischung erhalten. Naturnahe Gärten mit einer Vielfalt an heimischen Pflanzen sind eine wichtige Grundlage für den Wildbienenschutz – und dann hat man auch
für die vielen anderen Insekten etwas Sinnvolles erreicht!
Bild 1: Schautafel in Mehedorf (Sylke Bischoff, Torsten Brunkhorst); 2: Brachvogelgelege; 3: Kiebitzgelege; Fotos: NABU Umweltpyramide
Brachvogel- und Kiebitzgelege auf Grünland sind mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr. Beide Arten brüten zunehmend auf Maisäckern.
Es tut sich was im Vörder Land: Die seit Ende Februar/Anfang März in das Brutgebiet zurückgekehrten Kiebitze brüten bereits seit Mitte März, andernorts sogar schon seit Anfang März. Die erste Brachvogelgelege der Brutsaison wurden von den Mitarbeitern ebenfalls bereits gefunden. Die Kartierer haben alle Hände voll zu tun, um die Gelege auf den landwirtschaftlichen Äckern und Grünland ausfindig zu machen und zur besseren Sichtbarkeit abzustecken. Auf ausgewählten Flächen wurden zum Schutz vor dem Ausfressen der Gelege Zäune aufgestellt. Diese Schutzmaßnahme hat sich bereits bewährt – die ersten Küken sind dort vor wenigen Tagen geschlüpft.
Besonders ist in diesem Jahr, dass die Kiebitze rund 1-2 Wochen früher als sonst mit der Brut begonnen haben und häufiger als in den Vorjahren auf Grünland, ihrem eigentlichen Bruthabitat, brüten. Wie auch in den vergangenen Jahren wird das Projekt von der NABU Umweltpyramide fachlich begleitet.
Durch die finanzielle Förderung des Landes Niedersachsen, das, initiiert durch den Niedersächsischen Weg, den Wiesenvogelschutz unterstützt, kann das Projekt die Bodenbrüter in den Brutgebieten um Bremervörde intensiv betreuen. Eine wärmebildausgestattete Drohne hilft bei der Nestersuche und soll auch später bei der Nachverfolgung der Familien mit Küken eingesetzt werden. Durch Markierung der Gelege und Weitergabe der Standorte an die Landwirte soll die Gefahr der Zerstörung bei der Flächenvorbereitung ausgeschlossen werden. Durch den engen Kontakt zwischen Landwirt und Gebietsbetreuung kann der Verlust der Küken durch angepasste Bewirtschaftungsmaßnahmen weiter reduziert werden, freut sich Projektleiterin Sylke Bischoff von der NABU Umweltpyramide über die gute Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft.
Der Erhalt der Gelege und das Überleben der Jungvögel ist der erste wesentliche Beitrag zur Bestandssicherung. Dazu tragen auch Maßnahmen im Rahmen des Wiesenvogelprogramms durch Fördermöglichkeiten der Landwirtschaftskammer bei. Über diese konnten in den Schwerpunktgebieten Nord und Oerel bisher auf ca. 80 ha eine wiesenvogelfreundliche Bewirtschaftung abgeschlossen werden. Das Prädationsmanagement der rund um das Kornbecksmoor aktiven ehrenamtlichen Jäger ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Wiesenvogelschutzes, um den Verlust von Gelegen und Küken durch Fuchs, Rabenkrähe oder Dachs zu reduzieren.
Eine seit Längerem fertiggestellte Schautafel konnte im März endlich am Revierblick in Mehedorf aufgestellt werden, die nun über das Wiesenvogelprojekt informiert (s. Bild1). Ebenfalls seit März berichtet in unregelmäßigen Abständen ein Rundbrief – die Brachvogelpost - kurz und knapp über Aktuelles aus dem Wiesenvogelprojekt.
Projektleiterin Sylke Bischoff bittet die Bevölkerung um Mithilfe und freut sich über aktuelle Meldungen von Kiebitzen und Brachvögeln im Projektgebiet.
Foto 1, 4: Bettina Paquet; 2, 3: Ulrike Diez
Bremervörde – Mit dem Projekt „Wildbienen-Detektive – forschendes Lernen an Nisthilfen“ möchte die NABU Umweltpyramide zusammen mit drei
Schulen Nisthilfen für Wildbienen erproben, an denen Schülerinnen und Schüler eigenständig die Bedürfnisse dieser Insekten erforschen können. Es werden einsehbare
Bienenbrettchen verwendet, in denen die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt beobachtet werden kann – den Kindern und Jugendlichen eröffnet sich der Blick auf etwas, was sonst im Verborgenen
stattfindet. Auch andere Insekten, wie Solitärwespen, werden die Nisthilfe nutzen. Sie können alle
gefahrlos betrachtet werden, denn im Gegensatz zu staatenbildenden Bienen und Wespen verteidigen Insekten, die ihre Eier in solch eine Nisthilfe ablegen, ihre Brut nicht.
Indem die Schülerinnen und Schüler die Entwicklung der Larven beobachten und dokumentieren, können sie den Nutzen von Nisthilfen erleben und für sich reflektieren, welche Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Besiedlung benötigt werden. Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide, erklärt: „Folgt man der ursprünglichen Idee, sollen mit einem Insektenhotel,
oder besser ausgedrückt einer Wildbienen-Nisthilfe, solitär lebenden Wildbienen in unserer aufgeräumten Natur Möglichkeiten zur Eiablage angeboten werden.“ Jedoch werden bei der überwiegenden
Zahl von selbstgebauten oder zum Kauf angebotenen Nisthilfen eher Materialien wie Holzwolle für Ohrwürmer oder auch einfach nur Ansammlungen von
unterschiedlichen Naturmaterialien zusammengestellt und in Fächer gepackt. Leider ist Wildbienen damit gar nicht geholfen.
„Wildbienen benötigen eine Vielzahl an länglichen Hohlräumen, mit einem Durchmesser von 3 bis 9 mm“, berichtet die Biologin. „Hat ein Weibchen eine geeignete Röhre entdeckt, fertigt es ein Liniennest an, d. h., es deponiert gesammelten Pollen, legt ein Ei und bringt eine Zwischenwand an. Dies wiederholt sich, so dass mehrere Brutkammern hintereinander entstehen.“ Doch sie möchte nicht belehrend auftreten, sondern Kindern und Jugendlichen die Chance bieten, selbst Ideen zu entwickeln, wie sinnvolle Nisthilfen aussehen können. Denn sie ist überzeugt: „Selbstgewonnene Erkenntnisse werden als wertvoller und anwendbarer empfunden, sie motivieren zu weiterem Lernen und schaffen eine tiefere emotionale Verbindung zu dem Thema - insgesamt wichtige Voraussetzungen, um sich auch künftig auf richtige Art und Weise im Naturschutz zu engagieren.“
„Mit der EWE-Stiftung haben wir einen Förderer für unsere Projekt-Idee gefunden, so dass wir drei Schulen die Forscher-Nisthilfen kostenlos zur Verfügung stellen können“, freut sich Bettina Schroeder. Und noch etwas musste berücksichtigt werden - heimische Blühpflanzen als Nahrungsangebot für die Wildbienen – je vielfältiger, desto besser. Hierfür wendete sich Bettina Schroeder an den NABU Bremervörde-Zeven, der die Schulen und das Projekt sehr gerne mit Regio-Saat für Blütenpflanzen unterstützt.
Die Findorff-Realschule in Bremervörde hat nun die erste von drei Nisthilfen erhalten. Dort findet regelmäßig eine Garten- und Nachhaltigkeits-AG statt, in deren Rahmen auch ein Bereich des Schulhofs gestaltet werden darf. Maren Jebram als Leitung und die Kinder nahmen die Forscher-Nisthilfe in Empfang. „Dieses Jahr sind Kinder aus den 5. – 7. Klassen in der AG“, berichtet Maren Jebram. „Sie freuen sich riesig, dass sie sich mit diesem Projekt auch für den Schutz der Wildbienen einsetzen können.“ Gemeinsam wurde ein guter, sonniger Platz ausgesucht, wo sie die Nisthilfe demnächst aufstellen und neue Blumenbeete anlegen werden – rechtzeitig, bevor sich die ersten Wildbienen auf die Suche nach Nistplätzen und Nahrung machen.
Bild 1: Praxis am Baum; Bild 2: Theorie; Fotos: Bettina Schroeder
Bremervörde – Streuobstwiesen können wertvolle Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten sein. Die richtige Pflege trägt maßgeblich zur längeren Lebensdauer der Bäume bei und ist ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz. Das Team der NABU Umweltpyramide hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf mehreren Streuobstwiesen die Obstbäume fachgerecht zu schneiden. Obstbaumschnittkurse mit hohem Praxisanteil, mehrmals im Jahr angeboten, tragen maßgeblich zum Erfolg bei. Der nächste Kurs findet am Samstag, den 21. Februar von 10 – 15 Uhr statt.
Auch in diesem Jahr können Naturfreunde unter Anleitung des gelernten Gärtners Torsten Brunkhorst den richtigen Schnitt erlernen. Neben der Förderung der Streuobstwiesen hin zu wertvollen Lebensräumen dient die ausgiebige Praxis natürlich auch den Teilnehmenden zur Übung, bevor es zu Hause an die eigenen Bäume geht.
„Einige Bäume wachsen stetig in die Höhe ohne Früchte zu tragen, andere produzieren nur kleines Obst“, berichtet Torsten Brunkhorst von den üblichen Problemen. Mit dem richtigen Wissen kann man daran durch einen fachgerechten Schnitt etwas ändern. Außerdem trägt der Schnitt zur Verjüngung und zur reichlichen Ernte bei.
Jeder Kurs beginnt mit ausführlicher Theorie. Nach einem warmen Mittagessen fährt die Gruppe dann zur Streuobstwiese, diesmal in Bremervörde gelegen. Die Teilnehmenden beratschlagten zuerst gemeinsam, welche Äste aus welchem Grund entfernt werden sollten. Torsten Brunkhorst setzt die Tipps gleich in die Tat um und zeigt anschaulich, wie der Baum vom Schnitt profitiert. Dann verteilen sich die Kleingruppen um die restlichen Bäume, um das Gelernte selbst auszuprobieren und sich gegenseitig dabei zu unterstützen.
Nach zwei Stunden intensiver Arbeit sind die Teilnehmenden geübt im richtigen Umgang mit Säge, Garten-, Ast- und Teleskopschere. Nun kann das Gelernte an den eigenen Obstbäume umgesetzt werden. „Wenn man unter Anleitung an verschiedenen Bäumen gearbeitet hat, weiß man später auch am eigenen, worauf zu achten ist“, ist sich Torsten Brunkhorst sicher.
Die Seminargebühr beträgt 45.- € (NABU-Mitglieder ermäßigt) einschließlich Mittagessen und Getränke. Eine Anmeldung ist unter der Telefonnummer 04761-71330 unbedingt erforderlich. Gerne kann eigenes Werkzeug mitgebracht werden, auch werden aus Sicherheitsgründen Arbeitshandschuhe empfohlen.