Vom nutzlosen Insektenhotel zur sinnvollen Nisthilfe

NABU Umweltpyramide informiert über richtige Förderung von Wildbienen

Bild 1: Die Kita Oerel hat sich über das richtige Füllmaterial beraten lassen. Foto: Anke Noetzel
Bild 2: Die GS Beverstedt forscht an Wildbienen-Nisthilfen. Foto: GS Beverstedt

Bremervörde – Viele Naturfreunde möchten mit einem Insektenhotel ihren Beitrag zum Naturschutz leisten. Was gut gemeint ist, führt aber leider oftmals nicht zu dem gewünschten Erfolg. Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide, möchte diese Entwicklung wieder in die richtige Richtung lenken. Sie erklärt: „In Deutschland gibt es um die 600 Arten an Wildbienen. Neben den geeigneten Nahrungspflanzen fehlen ihnen in unserer aufgeräumten Natur geeignete Nistplätze. Hier setzt die Idee der Wildbienen-Nisthilfen an. Richtig gestaltet und an einem guten Standort platziert, können sie einen wichtigen Beitrag zur Förderung von einigen Wildbienenarten und auch von Solitärwespen leisten.“ Dabei liegt die Betonung auf „richtig gestaltet“ und „einige Arten“ – denn ein Großteil der Wildbienen legt seine Brutkammern im Boden und nicht oberirdisch an.

 

Trotzdem könnten viele Wildbienenarten mit Nisthilfen gefördert werden – wenn diese richtig gestaltet sind. Jedoch wird oft die ursprüngliche Idee, Wildbienen längliche Hohlräume zum Nisten anzubieten, gar nicht umgesetzt, sondern pauschal verändert zu „Wir machen was für Insekten.“ Dann werden unterschiedliche Naturmaterialien wie Rinde, Heu und Zapfen zusammengestellt und in Fächer gepackt. Solche Sammelstellen bieten jedoch keinem Tier einen wirklichen Mehrwert. Besonders tragisch findet Bettina Schroeder: „In den Augen der handelnden Personen sind solche „Insektenhotels“ deren persönlicher Beitrag zum Naturschutz! Es sind oftmals mit viel Mühe hergestellte Bauwerke, bei denen auch Kinder mitgeholfen haben.“ Denn an vielen Schulen und in Kitas stehen ebenfalls solche gutgemeinten, aber nutzlosen Nisthilfen. Werden sie dann nicht besiedelt, kann es bei Kindern und Erwachsenen zur Enttäuschung führen und sogar das Konzept „Naturschutz vor der eigenen Haustür“ und die eigene Handlungsfähigkeit in Frage gestellt werden. Selbstwirksamkeit positiv zu erfahren, ist jedoch ein wichtiger Schritt hin zum bewussten Umgang mit der Natur. Interessierte Einrichtungen, wie im Bild die Kita Oerel, werden gerne bei der Wahl des richtigen Füllmaterials beraten.

 

Bettina Schroeder spricht konsequent von „Wildbienen-Nisthilfen“ – denn es sollte nur um diesen einen Zweck gehen: „Eine durchdachte Wildbienen-Nisthilfe bietet viele, unterschiedlich große längliche Hohlräume – in Hartholz, in Pflanzenstängeln oder auch in extra dafür angefertigten Pappröhrchen und Tonziegeln. In Löcher mit 3 bis 9 mm Durchmesser und 10facher Länge können verschiedene Wildbienen ihre Eier ablegen. Dann unterstützt die Nisthilfe die Bestäuber und auch deren Parasitoide wie Solitärwespen.“

Diese Insekten sind harmlos und können gut beobachtet werden – somit sind gute Wildbienen-Nisthilfen auch von großer Bedeutung für die Umweltbildung. Um dies zu fördern, hat die NABU Umweltpyramide Schulen mit Forscher-Nisthilfen ausgestattet. „Mit Fördergeldern der EWE-Stiftung haben wir für drei Schulen Nisthilfen mit einsehbare Nistbrettchen gebaut, in denen die Kinder die Entwicklung der Larven beobachten können“, erklärt Bettina Schroeder. Vor Regen schützt ein entsprechend großes Dach. Damit es keinen Schatten wirft, wurde Plexiglas verwendet. Der Standort wurde zusammen mit den Kindern ausgesucht: sonnig und mit Platz für Blumen in der Nähe! „Ganz wichtig ist auch, sich bewusst zu machen, dass eine Wildbienen-Nisthilfe allein nicht ausreicht, um in unseren aufgeräumten Gärten und oftmals naturfernen Schulhöfen etwas positives für die Natur zu tun. Ohne ein ausreichendes Nahrungsangebot – also geeignete blühende Pflanzen in der Umgebung – nützt auch die beste Nisthilfe nichts,“ betont die Biologin. Die Schulen haben daher, gespendet vom NABU Bremervörde-Zeven, eine bunte Blühmischung erhalten. Naturnahe Gärten mit einer Vielfalt an heimischen Pflanzen sind eine wichtige Grundlage für den Wildbienenschutz – und dann hat man auch für die vielen anderen Insekten etwas Sinnvolles erreicht!

 

 


Wiesenvogelschutz im Landkreis ROW

Bild 1: Schautafel in Mehedorf (Sylke Bischoff, Torsten Brunkhorst); 2: Brachvogelgelege; 3: Kiebitzgelege; Fotos: NABU Umweltpyramide

Brachvogel- und Kiebitzgelege auf Grünland sind mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr. Beide Arten brüten zunehmend auf Maisäckern.

 

 

Es tut sich was im Vörder Land: Die seit Ende Februar/Anfang März in das Brutgebiet zurückgekehrten Kiebitze brüten bereits seit Mitte März, andernorts sogar schon seit Anfang März. Die erste Brachvogelgelege der Brutsaison wurden von den Mitarbeitern ebenfalls bereits gefunden. Die Kartierer haben alle Hände voll zu tun, um die Gelege auf den landwirtschaftlichen Äckern und Grünland ausfindig zu machen und zur besseren Sichtbarkeit abzustecken. Auf ausgewählten Flächen wurden zum Schutz vor dem Ausfressen der Gelege Zäune aufgestellt. Diese Schutzmaßnahme hat sich bereits bewährt – die ersten Küken sind dort vor wenigen Tagen geschlüpft.

 

Besonders ist in diesem Jahr, dass die Kiebitze rund 1-2 Wochen früher als sonst mit der Brut begonnen haben und häufiger als in den Vorjahren auf Grünland, ihrem eigentlichen Bruthabitat, brüten.  Wie auch in den vergangenen Jahren wird das Projekt von der NABU Umweltpyramide fachlich begleitet.

 

Durch die finanzielle Förderung des Landes Niedersachsen, das, initiiert durch den Niedersächsischen Weg, den Wiesenvogelschutz unterstützt, kann das Projekt die Bodenbrüter in den Brutgebieten um Bremervörde intensiv betreuen. Eine wärmebildausgestattete Drohne hilft bei der Nestersuche und soll auch später bei der Nachverfolgung der Familien mit Küken eingesetzt werden. Durch Markierung der Gelege und Weitergabe der Standorte an die Landwirte soll die Gefahr der Zerstörung bei der Flächenvorbereitung ausgeschlossen werden. Durch den engen Kontakt zwischen Landwirt und Gebietsbetreuung kann der Verlust der Küken durch angepasste Bewirtschaftungsmaßnahmen weiter reduziert werden, freut sich Projektleiterin Sylke Bischoff von der NABU Umweltpyramide über die gute Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft.

 

Der Erhalt der Gelege und das Überleben der Jungvögel ist der erste wesentliche Beitrag zur Bestandssicherung. Dazu tragen auch Maßnahmen im Rahmen des Wiesenvogelprogramms durch Fördermöglichkeiten der Landwirtschaftskammer bei. Über diese konnten in den Schwerpunktgebieten Nord und Oerel bisher auf ca. 80 ha eine wiesenvogelfreundliche Bewirtschaftung abgeschlossen werden. Das Prädationsmanagement der rund um das Kornbecksmoor aktiven ehrenamtlichen Jäger ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Wiesenvogelschutzes, um den Verlust von Gelegen und Küken durch Fuchs, Rabenkrähe oder Dachs zu reduzieren.

 

Eine seit Längerem fertiggestellte Schautafel konnte im März endlich am Revierblick in Mehedorf aufgestellt werden, die nun über das Wiesenvogelprojekt informiert (s. Bild1). Ebenfalls seit März berichtet in unregelmäßigen Abständen ein Rundbrief – die Brachvogelpost - kurz und knapp über Aktuelles aus dem Wiesenvogelprojekt.

 

Projektleiterin Sylke Bischoff bittet die Bevölkerung um Mithilfe und freut sich über aktuelle Meldungen von Kiebitzen und Brachvögeln im Projektgebiet.

 


Wildbienen-Detektive an der Realschule

Forschendes Lernen an Nisthilfen

Foto 1, 4: Bettina Paquet; 2, 3: Ulrike Diez

Bremervörde Mit dem Projekt „Wildbienen-Detektive – forschendes Lernen an Nisthilfen“ möchte die NABU Umweltpyramide zusammen mit drei Schulen Nisthilfen für Wildbienen erproben, an denen Schülerinnen und Schüler eigenständig die Bedürfnisse dieser Insekten erforschen können. Es werden einsehbare Bienenbrettchen verwendet, in denen die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt beobachtet werden kann – den Kindern und Jugendlichen eröffnet sich der Blick auf etwas, was sonst im Verborgenen stattfindet. Auch andere Insekten, wie Solitärwespen, werden die Nisthilfe nutzen. Sie können alle gefahrlos betrachtet werden, denn im Gegensatz zu staatenbildenden Bienen und Wespen verteidigen Insekten, die ihre Eier in solch eine Nisthilfe ablegen, ihre Brut nicht.

Indem die Schülerinnen und Schüler die Entwicklung der Larven beobachten und dokumentieren, können sie den Nutzen von Nisthilfen erleben und für sich reflektieren, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Besiedlung benötigt werden. Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide, erklärt: „Folgt man der ursprünglichen Idee, sollen mit einem Insektenhotel, oder besser ausgedrückt einer Wildbienen-Nisthilfe, solitär lebenden Wildbienen in unserer aufgeräumten Natur Möglichkeiten zur Eiablage angeboten werden.“ Jedoch werden bei der überwiegenden Zahl von selbstgebauten oder zum Kauf angebotenen Nisthilfen eher Materialien wie Holzwolle für Ohrwürmer oder auch einfach nur Ansammlungen von unterschiedlichen Naturmaterialien zusammengestellt und in Fächer gepackt. Leider ist Wildbienen damit gar nicht geholfen.

 

„Wildbienen benötigen eine Vielzahl an länglichen Hohlräumen, mit einem Durchmesser von 3 bis 9 mm“, berichtet die Biologin. „Hat ein Weibchen eine geeignete Röhre entdeckt, fertigt es ein Liniennest an, d. h., es deponiert gesammelten Pollen, legt ein Ei und bringt eine Zwischenwand an. Dies wiederholt sich, so dass mehrere Brutkammern hintereinander entstehen.“ Doch sie möchte nicht belehrend auftreten, sondern Kindern und Jugendlichen die Chance bieten, selbst Ideen zu entwickeln, wie sinnvolle Nisthilfen aussehen können. Denn sie ist überzeugt: „Selbstgewonnene Erkenntnisse werden als wertvoller und anwendbarer empfunden, sie motivieren zu weiterem Lernen und schaffen eine tiefere emotionale Verbindung zu dem Thema - insgesamt wichtige Voraussetzungen, um sich auch künftig auf richtige Art und Weise im Naturschutz zu engagieren.“

 

„Mit der EWE-Stiftung haben wir einen Förderer für unsere Projekt-Idee gefunden, so dass wir drei Schulen die Forscher-Nisthilfen kostenlos zur Verfügung stellen können“, freut sich Bettina Schroeder. Und noch etwas musste berücksichtigt werden - heimische Blühpflanzen als Nahrungsangebot für die Wildbienen – je vielfältiger, desto besser. Hierfür wendete sich Bettina Schroeder an den NABU Bremervörde-Zeven, der die Schulen und das Projekt sehr gerne mit Regio-Saat für Blütenpflanzen unterstützt.

 

Die Findorff-Realschule in Bremervörde hat nun die erste von drei Nisthilfen erhalten. Dort findet regelmäßig eine Garten- und Nachhaltigkeits-AG statt, in deren Rahmen auch ein Bereich des Schulhofs gestaltet werden darf. Maren Jebram als Leitung und die Kinder nahmen die Forscher-Nisthilfe in Empfang. „Dieses Jahr sind Kinder aus den 5. – 7. Klassen in der AG“, berichtet Maren Jebram. „Sie freuen sich riesig, dass sie sich mit diesem Projekt auch für den Schutz der Wildbienen einsetzen können.“ Gemeinsam wurde ein guter, sonniger Platz ausgesucht, wo sie die Nisthilfe demnächst aufstellen und neue Blumenbeete anlegen werden – rechtzeitig, bevor sich die ersten Wildbienen auf die Suche nach Nistplätzen und Nahrung machen.


Obstbaumschnitt-Kurs mit reichlich Praxis

Samstag, 21. Februar von 10 - 15 Uhr

Bild 1: Praxis am Baum; Bild 2: Theorie; Fotos: Bettina Schroeder

Bremervörde – Streuobstwiesen können wertvolle Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten sein. Die richtige Pflege trägt maßgeblich zur längeren Lebensdauer der Bäume bei und ist ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz. Das Team der NABU Umweltpyramide hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf mehreren Streuobstwiesen die Obstbäume fachgerecht zu schneiden. Obstbaumschnittkurse mit hohem Praxisanteil, mehrmals im Jahr angeboten, tragen maßgeblich zum Erfolg bei. Der nächste Kurs findet am Samstag, den 21. Februar von 10 – 15 Uhr statt.

Auch in diesem Jahr können Naturfreunde unter Anleitung des gelernten Gärtners Torsten Brunkhorst den richtigen Schnitt erlernen. Neben der Förderung der Streuobstwiesen hin zu wertvollen Lebensräumen dient die ausgiebige Praxis natürlich auch den Teilnehmenden zur Übung, bevor es zu Hause an die eigenen Bäume geht.

 

„Einige Bäume wachsen stetig in die Höhe ohne Früchte zu tragen, andere produzieren nur kleines Obst“, berichtet Torsten Brunkhorst von den üblichen Problemen. Mit dem richtigen Wissen kann man daran durch einen fachgerechten Schnitt etwas ändern. Außerdem trägt der Schnitt zur Verjüngung und zur reichlichen Ernte bei.

Jeder Kurs beginnt mit ausführlicher Theorie. Nach einem warmen Mittagessen fährt die Gruppe dann zur Streuobstwiese, diesmal in Bremervörde gelegen. Die Teilnehmenden beratschlagten zuerst gemeinsam, welche Äste aus welchem Grund entfernt werden sollten. Torsten Brunkhorst setzt die Tipps gleich in die Tat um und zeigt anschaulich, wie der Baum vom Schnitt profitiert. Dann verteilen sich die Kleingruppen um die restlichen Bäume, um das Gelernte selbst auszuprobieren und sich gegenseitig dabei zu unterstützen.

 

Nach zwei Stunden intensiver Arbeit sind die Teilnehmenden geübt im richtigen Umgang mit Säge, Garten-, Ast- und Teleskopschere. Nun kann das Gelernte an den eigenen Obstbäume umgesetzt werden. „Wenn man unter Anleitung an verschiedenen Bäumen gearbeitet hat, weiß man später auch am eigenen, worauf zu achten ist“, ist sich Torsten Brunkhorst sicher.

 

Die Seminargebühr beträgt 45.- € (NABU-Mitglieder ermäßigt) einschließlich Mittagessen und Getränke. Eine Anmeldung ist unter der Telefonnummer 04761-71330 unbedingt erforderlich. Gerne kann eigenes Werkzeug mitgebracht werden, auch werden aus Sicherheitsgründen Arbeitshandschuhe empfohlen.