Projektverlauf an den Schulen

Die drei Kooperationsschulen haben kurz vor den Osterferien ihre Nisthilfen erhalten. Als Forscherstation bestehen sie aus zwei Teilen. Zum Projektstart musste erst einmal nur eine Nisthilfe aufgestellt werden. Diese wird im nächsten Spätwinter um eine weitere ergänzt. Die Wildbienen schlüpfen aus den Nistbrettchen der ersten Nisthilfe und besiedeln die zweite. So kann die nächste Generation an Wildbienen in neuen Brettchen nisten und die Kinder ihre Beobachtungen wieder bei "Null" starten.

Die Herausforderung ist dabei, zu verhindern, dass die alte Nisthilfe von den Wildbienen ein zweites Mal genutzt wird. Diese soll, nach dem Schlupf sämtlicher Bienen, gesäubert werden und im darauf folgenden jahr wieder zum Einsatz kommen.

 

Findorff-Realschule Bremervörde

Die Findorff-Realschule in Bremervörde hat als erste Schule die Forscher-Nisthilfen erhalten. Dort findet regelmäßig eine Garten- und Nachhaltigkeits-AG statt, in deren Rahmen auch ein Bereich des Schulhofs gestaltet werden darf. Maren Jebram als Leitung und die Kinder nahmen die Forscher-Nisthilfe in Empfang. „Dieses Jahr sind Kinder aus den 5. – 7. Klassen in der AG“, berichtet Maren Jebram. „Die Kinder freuen sich riesig, dass sie sich mit diesem Projekt auch für den Schutz der Wildbienen einsetzen können.“ 

Bettina Schroeder von der NABU Umweltpyramide erklärt bei der Materialübergabe das Projekt (s. Bilder). Dann wurde gemeinsam ein guter, sonniger Platz ausgesucht, wo die Nisthilfe demnächst aufgestellt wird und neue Blumenbeete anlegen werden – rechtzeitig, bevor sich die ersten Wildbienen auf die Suche nach Nistplätzen und Nahrung machen. 

 

Fotos: o.l. und u.l.: Maren Jebram; o.r.: Bettina Schroeder; u.r. Ulrike Diez

Am 18. Juni hat Bettina Schroeder die AG erneut besucht. Die Kinder haben ihre Nisthilfe wie besprochen aufgestellt und auch Blumen ausgesät (o.l.). Die Kinder wirkten ein wenig enttäuscht, da sie dachten, es wäre nur eine Brutröhre belegt und es würde sich dort auch kaum etwas entwickeln. Sie hatten vor zwei Wochen das letzte Mal hineingeschaut und es war auch wirklich nur ein Verschluss zu sehen. Doch Bettina Schroeder wollte es genau wissen und ließ die Kinder die Nisthilfe öffnen. Die belegte Platte war ganz unten, es wurden sämtliche Platten entnommen (o.r.). Bei einigen konnte man sehen, dass die Bienen es zumindest versucht hatten.

Dann folgte die Überraschung, die Kinder hatten sich sehr getäuscht: Fast jede Röhre der untersten Nistplatte ist als Brutkammer genutzt worden! Einzig der Verschluss ganz vorne fehlte, so dass die Belegung nicht gesehen worden ist (u.l.). 

Die Begeisterung war groß, es konnten Larven in unterschiedlichen Stadien und der eingelagerte Pollen gesehen werden (u.m.). Die Kinder stellten sich in den Schatten, um die Störung so gering wie möglich zu halten und Frau Jebram fotografierte die Platte für die nachfolgenden AG-Stunden (u.r.). 

Fotos: o.l. und u.r.: Bettina Schroeder; weitere: Maren Jebram

Behutsam wurde alles wieder zurückgelegt. Die Begeisterung setzte sich fort und die Kinder überlegten, wie sie die Blütenvielfalt erhöhen könnten. Sie wollen noch ein weiteres Blumenbeet anlegen. Dann wurde die alte Nisthilfe genauer angesehen (u., im Jahr 2025). Sie wurde vor einigen Jahren von anderen Kindern im Rahmen dieser AG gebaut, im guten Glauben, Wildbienen damit zu unterstützen. Es gibt Blüten in der Nähe im Beet, dies wird auch weiterhin gut gepflegt. Aber gibt es dort auch Nistplätze für Wildbienen? Einige wenige Löcher waren belegt, aber den Kindern wurde deutlich, dass die Nisthilfe falsches Füllmaterial enthält. Einzig eine Wespe schabte Holz ab - dies wurde sofort aufgegriffen, um darüber nachzudenken, wofür sie das wohl benötigt. Genau - sie baut damit ihr Nest aus, ein weiteres Beispiel für die Vielfalt der Natur.

Die Kinder beschlossen, sich mit der alten Nisthilfe zu beschäftigen und das Füllmaterial den Bedürfnissen der Wildbienen anzupassen. Natürlich hat Bettina Schroeder gerne angeboten, bei der Auswahl und der Beschaffung der Füllmaterialien zu unterstützen. Ein toller Erfolg des Projektes!

 

Foto: Bettina Schroeder
Foto: Bettina Schroeder

IGS Zeven

In dieser Schule hat die Schulgarten-AG die Nisthilfen in Empfang genommen. Die Kinder beschäftigen sich schon mit Honigbienen, die sie zusammen mit einer Imkerin betreuen. Die Beuten stehen auf dem Dach der Schule. Bei ihrem ersten Besuch erklärt Bettina Schroeder genau den Unterschied zwischen Honigbiene und Wildbiene und auch deren Bedürfnisse bezüglich ihrer Nistplätze (u.l.).

Der AG steht ein eingezäunter Bereich zur Verfügung, wo die Kinder schon einige Hochbeet mit Gemüseanbau pflegen. Diese sind umgeben von einem Rasen, der regelmäßig gemäht wird. Bettina Schroeder gab bei ihrem ersten Besuch den Tipp, dass ein Teil einfach mal nicht gemäht werden sollte, da viele Grundblätter von Wildkräutern zu sehen sind und die Fläche somit viel Potential für Blüten hat. Außerdem kann ein Bereich umgegraben und gezielt eingesät werden.

Es bleibt spannend, ob Wildbienen diese Fläche, die etwas versteckt hinter dem Gebäude liegt, entdecken werden!

Fotos: Lidia Chernomordik

 

Am 16. Juni hat Bettina Schroeder die Kinder ein weiteres Mal besucht. Sie war erfreut, wie sich die Fläche entwickelt hat: Ein Bereich am Hang wird tatsächlich vom Hausmeister beim Mähen ausgespart (o.r.), es haben sich dort schon viele Blüten entwickelt (u.r.). Unter der Nisthilfe wurde ebenfalls nicht gemäht, auch dort konnte man schon einiges entdecken (m.). Die Kinder haben in diesen beiden Bereichen auch Blühsamen ausgesät, so dass die Blütenvielfalt noch zunehmen wird.

Die Nistplatten sind auch wirklich von einigen Bienen genutzt worden, das hat alle Beteiligten sehr gefreut (l.). Die Kinder berichten von Wildbienen, die um sie herumgeflogen sind, und dass sie durch die Info, dass diese Bienen nicht stechen, ganz ruhig geblieben sind. An dem Besuchstag selbst wurde die Nisthilfe nicht geöffnet, jedoch sind verschlossene Brutröhren zu sehen. Die Nistplatten sind schon öfter fotografiert worden, die Auswertung erfolgt im Winterhalbjahr.  

Fotos: Bettina Schroeder


Grundschule an der Brake, Beverstedt

Die Grundschule Beverstedt hat ihre Nisthilfe erhalten und am Schulgarten aufgestellt (o.l., u.r.). Das Projekt wurde an eine 1. Klasse übergeben. Die Schulgarten-AG hat dem Projekt einen Bereich überlassen, wo die Kinder eine Wildblumenmischung eingesät haben (u.l.). Beim Besuch am 12. Juni waren in jeder Nistplatte verschlossene Löcher zu entdecken. Bemerkenswert ist, dass neben anderen Plätzen grundsätzlich die Niströhre ganz links genutzt worden ist (o.r.). Hineingeschaut habendie Kinder noch nicht. Die Kinder werden einen ersten Blick nach den Sommerferien hineinwerfen und berichten. Bis dahin beschäftigen sie sich mit dem Thema "Bienen" und schauen sich auch auf dem Schulhof ganz genau um, wo sie Blüten finden und wo sich Bienen wohlfühlen könnten.  

Fotos: o.l.: GS Beverstedt; weitere: B. Schroeder


Vom nutzlosen Insektenhotel zur sinnvollen Nisthilfe

NABU Umweltpyramide informiert über richtige Förderung von Wildbienen

Bild 1: Die Kita Oerel hat sich über das richtige Füllmaterial beraten lassen. Foto: Anke Noetzel
Bild 2: Die GS Beverstedt forscht an Wildbienen-Nisthilfen. Foto: GS Beverstedt

Bremervörde – Viele Naturfreunde möchten mit einem Insektenhotel ihren Beitrag zum Naturschutz leisten. Was gut gemeint ist, führt aber leider oftmals nicht zu dem gewünschten Erfolg. Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide, möchte diese Entwicklung wieder in die richtige Richtung lenken. Sie erklärt: „In Deutschland gibt es um die 600 Arten an Wildbienen. Neben den geeigneten Nahrungspflanzen fehlen ihnen in unserer aufgeräumten Natur geeignete Nistplätze. Hier setzt die Idee der Wildbienen-Nisthilfen an. Richtig gestaltet und an einem guten Standort platziert, können sie einen wichtigen Beitrag zur Förderung von einigen Wildbienenarten und auch von Solitärwespen leisten.“ Dabei liegt die Betonung auf „richtig gestaltet“ und „einige Arten“ – denn ein Großteil der Wildbienen legt seine Brutkammern im Boden und nicht oberirdisch an.

 

Trotzdem könnten viele Wildbienenarten mit Nisthilfen gefördert werden – wenn diese richtig gestaltet sind. Jedoch wird oft die ursprüngliche Idee, Wildbienen längliche Hohlräume zum Nisten anzubieten, gar nicht umgesetzt, sondern pauschal verändert zu „Wir machen was für Insekten.“ Dann werden unterschiedliche Naturmaterialien wie Rinde, Heu und Zapfen zusammengestellt und in Fächer gepackt. Solche Sammelstellen bieten jedoch keinem Tier einen wirklichen Mehrwert. Besonders tragisch findet Bettina Schroeder: „In den Augen der handelnden Personen sind solche „Insektenhotels“ deren persönlicher Beitrag zum Naturschutz! Es sind oftmals mit viel Mühe hergestellte Bauwerke, bei denen auch Kinder mitgeholfen haben.“ Denn an vielen Schulen und in Kitas stehen ebenfalls solche gutgemeinten, aber nutzlosen Nisthilfen. Werden sie dann nicht besiedelt, kann es bei Kindern und Erwachsenen zur Enttäuschung führen und sogar das Konzept „Naturschutz vor der eigenen Haustür“ und die eigene Handlungsfähigkeit in Frage gestellt werden. Selbstwirksamkeit positiv zu erfahren, ist jedoch ein wichtiger Schritt hin zum bewussten Umgang mit der Natur. Interessierte Einrichtungen, wie im Bild die Kita Oerel, werden gerne bei der Wahl des richtigen Füllmaterials beraten.

Bettina Schroeder spricht konsequent von „Wildbienen-Nisthilfen“ – denn es sollte nur um diesen einen Zweck gehen: „Eine durchdachte Wildbienen-Nisthilfe bietet viele, unterschiedlich große längliche Hohlräume – in Hartholz, in Pflanzenstängeln oder auch in extra dafür angefertigten Pappröhrchen und Tonziegeln. In Löcher mit 3 bis 9 mm Durchmesser und 10facher Länge können verschiedene Wildbienen ihre Eier ablegen. Dann unterstützt die Nisthilfe die Bestäuber und auch deren Parasitoide wie Solitärwespen.“

Diese Insekten sind harmlos und können gut beobachtet werden – somit sind gute Wildbienen-Nisthilfen auch von großer Bedeutung für die Umweltbildung. Um dies zu fördern, hat die NABU Umweltpyramide Schulen mit Forscher-Nisthilfen ausgestattet. „Mit Fördergeldern der EWE-Stiftung haben wir für drei Schulen Nisthilfen mit einsehbare Nistbrettchen gebaut, in denen die Kinder die Entwicklung der Larven beobachten können“, erklärt Bettina Schroeder. Vor Regen schützt ein entsprechend großes Dach. Damit es keinen Schatten wirft, wurde Plexiglas verwendet. Der Standort wurde zusammen mit den Kindern ausgesucht: sonnig und mit Platz für Blumen in der Nähe! „Ganz wichtig ist auch, sich bewusst zu machen, dass eine Wildbienen-Nisthilfe allein nicht ausreicht, um in unseren aufgeräumten Gärten und oftmals naturfernen Schulhöfen etwas positives für die Natur zu tun. Ohne ein ausreichendes Nahrungsangebot – also geeignete blühende Pflanzen in der Umgebung – nützt auch die beste Nisthilfe nichts,“ betont die Biologin. Die Schulen haben daher, gespendet vom NABU Bremervörde-Zeven, eine bunte Blühmischung erhalten. Naturnahe Gärten mit einer Vielfalt an heimischen Pflanzen sind eine wichtige Grundlage für den Wildbienenschutz – und dann hat man auch für die vielen anderen Insekten etwas Sinnvolles erreicht!